Eine Zahl reicht oft, um eine jahrelang gezahlte Mieterhöhung zu kippen: das Basisjahr des Verbraucherpreisindex. Liegt es deutlich vor dem eigentlichen Mietbeginn oder ist die Klausel als starre Punktklausel formuliert, greifen Gerichte regelmäßig ein. Für Geschäftsführer und CFOs, die Gewerbeflächen für Produktion, Büro oder Lager anmieten, ist das kein theoretisches Problem, sondern ein direkter Kostenfaktor über die gesamte Vertragslaufzeit.
Das Preisklauselgesetz (PrKG) regelt seit 2007 bundesweit, unter welchen Voraussetzungen Indexklauseln in Gewerbemietverträgen wirksam sind. Viele Vertragsmuster, die seither weitergereicht wurden, erfüllen diese Voraussetzungen nur formal. Fehlt die Symmetrie zwischen Erhöhung und Senkung, fehlt die erforderliche Mindestlaufzeit oder ist die Klausel intransparent formuliert, drohen Rückforderungsansprüche oder ein Sonderkündigungsrecht.
Was ist eine Indexmiete im Gewerbemietvertrag?
Eine Indexmiete koppelt die vereinbarte Grundmiete an die Entwicklung eines amtlichen Preisindex, meist den Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts. Sie soll Kaufkraftverluste durch Inflation ausgleichen und ist damit keine klassische Mieterhöhungsklausel, sondern ein Wertsicherungsmechanismus für beide Vertragsseiten.
Das Preisklauselgesetz unterscheidet zwischen echten und unechten Gleitklauseln. Bei der echten Gleitklausel führt die Indexveränderung automatisch und ohne weiteres Zutun der Parteien zu einer neuen Miethöhe. Die unechte Gleitklausel dagegen setzt eine Anpassungserklärung oder Verhandlung voraus und ist deutlich seltener mit rechtlichen Fallstricken behaftet.
Für Gewerbemieter ist relevant, dass die Indexklausel sich in der Regel ausschließlich auf die Grundmiete bezieht. Betriebskosten- und Nebenkostenvorauszahlungen bleiben davon unberührt, sofern der Vertrag nichts anderes bestimmt. Wer eine Gewerbefläche mit hohen Nebenkosten anmietet, sollte diese Trennung im Vertragstext genau prüfen, bevor er eine Index-Ankündigung des Vermieters akzeptiert.
Anders als bei der Wohnraummiete existiert für Geschäftsräume keine spezielle Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch. Über § 578 BGB werden zwar einzelne Wohnraum-Vorschriften entsprechend anwendbar erklärt, die Indexmiete selbst richtet sich aber vorrangig nach dem Preisklauselgesetz und der allgemeinen AGB-Kontrolle.
Welche Voraussetzungen stellt das Preisklauselgesetz an wirksame Indexklauseln?
Automatische Indexklauseln sind nach § 1 PrKG grundsätzlich verboten und nur ausnahmsweise zulässig. Für Gewerbemietverträge greift meist die Ausnahme des § 3 PrKG, die eine echte Gleitklausel erlaubt, wenn der Vertrag eine Mindestlaufzeit von zehn Jahren hat oder der Vermieter für diesen Zeitraum auf eine ordentliche Kündigung verzichtet.
Zusätzlich verlangt § 2 PrKG, dass sich die Klausel auf einen amtlichen Index bezieht, etwa den Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts, eines Statistischen Landesamts oder des Statistischen Amts der Europäischen Gemeinschaften. Eigene, von der Vermieterseite konstruierte Berechnungsgrößen erfüllen diese Voraussetzung nicht und machen die Klausel angreifbar.
Ein weiterer Kernpunkt ist die Symmetrie der Anpassung. Die Miete muss sowohl steigen als auch sinken können, wenn sich der Index in beide Richtungen bewegt. Eine sogenannte Upward-Only-Klausel, die ausschließlich Erhöhungen vorsieht, widerspricht diesem Grundsatz und wird von Gerichten regelmäßig als unangemessene Benachteiligung im Sinne von § 307 BGB gewertet.
Neben dem PrKG bleibt die allgemeine AGB-Inhaltskontrolle uneingeschränkt anwendbar, wenn die Klausel vom Vermieter vorformuliert wurde. Das bedeutet: Selbst eine Klausel, die den formellen Anforderungen des Preisklauselgesetzes genügt, kann an § 307 BGB scheitern, wenn sie unklar, überraschend oder einseitig benachteiligend formuliert ist.
Praxis-Tipp
Das Preisklauselgesetz erlaubt automatische Indexklauseln in Gewerbemietverträgen nur unter engen Voraussetzungen, unter anderem bei einer Mindestlaufzeit von zehn Jahren nach § 3 PrKG.
Welche Fehler enthalten Wertsicherungsklauseln in der Praxis am häufigsten?
Der häufigste Fehler ist eine veraltete Basisjahr-Referenz in einer starren Punktklausel. Der Verbraucherpreisindex wird in regelmäßigen Abständen auf ein neues Basisjahr umgestellt, zuletzt auf das Berichtsjahr 2020. Eine Klausel, die noch auf ein deutlich älteres Basisjahr verweist, erzeugt Rechenfehler und Streit über die richtige Umrechnung.
In einem Fall aus der Beratungspraxis prüfte ein Logistikunternehmen aus dem Ruhrgebiet vor der Verlängerung seines Gewerbemietvertrags die bestehende Indexklausel. Der Vertrag enthielt eine Punktklausel mit einem Basisjahr, das mehr als eine Umbasierung zurücklag. Die bislang gezahlten Mieterhöhungen waren rechnerisch nicht mehr korrekt nachvollziehbar, weil die Umrechnung auf den aktuellen Index fehlte.
Ein zweiter typischer Fehler betrifft die zeitliche Lücke zwischen dem im Vertrag genannten Basismonat und dem tatsächlichen Mietbeginn. Liegt der Basismonat deutlich vor dem Start des Mietverhältnisses, wird der Mieter mit einer Inflation belastet, die vor seiner eigenen Nutzung der Fläche entstanden ist. Solche Konstellationen bewerten Gerichte häufig als unangemessene Benachteiligung.
Ein dritter Fehler ist die fehlende Mindestlaufzeit. Wird eine echte, automatisch wirkende Gleitklausel in einen Vertrag mit kürzerer Laufzeit oder ohne Kündigungsverzicht des Vermieters aufgenommen, fehlt die gesetzliche Ausnahme des § 3 PrKG. Die Klausel bleibt dann grundsätzlich unwirksam, unabhängig davon, wie sauber sie formuliert ist.
Wichtig zu wissen
Eine Wertsicherungsklausel, die nur Mieterhöhungen, aber keine Mietsenkungen vorsieht, verstößt gegen das Transparenzgebot des § 307 BGB und kann insgesamt unwirksam sein.



